Mein geliebtes Shenchen (Februar 2013)

27.02.2013

Leider muss ich an dieser Stelle mitteilen, dass ich mein geliebtes Shenchen über die Regenbogenbrücke gehen lassen musste. An Heiligabend letztes Jahr bekam Shen zum ersten Mal richtig Probleme mit der Hinterhand. Mit Schmerzmitteln bekamen wir das einigermassen in den Griff und konnten ihr ein zumutbares und erträgliches Leben ermöglichen. Letzte Woche bekam sie eine heftige Blasenentzündung und es ging ihr trotz zahlreichen Medikamenten von Tag zu Tag schlechter. Gestern schaffte sie dann nicht mal die Strecke vom Restaurant zum Parkplatz und auch heute Morgen konnte sie kaum die Hinterhand kontrollieren. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, sie zu erlösen, auch wenn sie im Kopf noch voll da war. Die Tierärztin kam zu uns nach Hause, damit die anderen Hunde in Ruhe von ihr Abschied nehmen konnten. Sie ist sehr schnell und mit nur sehr wenig Narkosemittel für immer eingeschlafen. Die Ärztin meinte deshalb, es sei der absolut richtige Zeitpunkt gewesen. Das hat mich doch sehr beruhigt, ist es doch sehr schwierig, den richtigen Moment zu finden, vor allem, wenn sie im Kopf noch so klar sind. Bis zuletzt war sie der absolute Chef im Rudel. Sie wird uns allen unheimlich fehlen...

 

Shenchen kam mit eineinhalb Jahren zu mir, weil sie im Rudel bei dem Züchter nicht klarkam. Zuerst dachte ich, weil sie nicht so stark sei (wie sollte ich mich irren ;-). Am Anfang war Shen sehr schüchtern und ängstlich und kannte überhaupt nichts (nicht mal ihren Namen: Fatima...). Das änderte sich sehr schnell. Nach zwei Monaten konnte sie alles so gut wie Tilly und Mix. Nach etwa einem oder zwei Jahren bei mir  fand Shen, sie sollte mal ausprobieren, ob an der Rangordnung etwas verändert werden könnte. Es folgte eine sehr schlimme Zeit, in der Shen alles getan hat, was Gott verboten hat: Jagen, Leute angreifen, Hunde (auch die aus dem eigenen Rudel) angreifen, mich angreifen etc. Ich war total am Verzweifeln und wollte sie mehrfach weggeben. Da sie aber dieses Verhalten nur dann zeigte, wenn ich mit ihr alleine war und mir das niemand glaubte, war mir das Risiko zu gross, deshalb blieb sie bei mir. Irgendwann hatten wir dann eine mehr als heftige Grundsatzdiskussion. Danach war die Rangordnung wiederhergestellt, wenn ich Shen auch jeden einzelnen Tag wieder daran erinnern musste. Im Agility war Shen am Anfang ganz langsam, wollte sie doch ja keinen Fehler machen. Mit der Zeit wurde sie immer schneller und bald stellten sich die ersten Erfolge ein. Das Markenzeichen von Shen waren mit der Zeit ihre grosse Zuverlässigkeit und das Laufen der perfekten Linie. Sie verschenkte praktisch nie einen Millimeter, so dass wir ohne weiteres mit den Borders mithalten konnten, auch wenn sie nie das schnellste Grundtempo hatte. Die Höhepunkte ihrer Karriere waren neben unzähligen Podestplätzen, dem Absolvieren von ZEHN (!!!) fehlerfreien Läufen im Rahmen einer WM-Qualifikation und mehreren Finalteilnahmen an Schweizermeisterschaften, ein sechster, fünfter und dritter Rang sowie ein Sieg an den Schweizermeisterschaften der belgischen Schäferhunde. Ich habe von Shen unglaublich viel gelernt, unter anderem auch, wie anstrengend ein Belgier werden kann. Man sollte sich bewusst sein, dass wenn man ein Tier aus dieser Rasse nicht im Griff hat, man eine Waffe nicht im Griff hat. Diese Hunde werden nicht umsonst im Polizeidienst eingesetzt!! Shen war zudem die souveränste Hündin, die ich je gesehen habe. Sie hatte jede Situation ohne die geringste Anstrengung im Griff. Andere Hunde hielt sie mit Blicken in Schach. Praktisch nie musste sie handgreiflich werden, um ihre Führungsposition in welchem Rudel auch immer, kundzutun. Dies wird mir und sicher auch meinen anderen Hundis unheimlich fehlen... Ich bin sehr dankbar, dass diese tolle Hündin Teil meines Lebens war und sie wird wie Tilly, Mix und Floor immer ein Platz in meinem Herzen haben.

 

Sehr traurige Grüsse

 

Franca

 

 

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