Bericht von Deborah Kaysel über das Meeting in Birmensdorf am 5. Februar 2012

04.02.2012

Ein Aufstieg ist nicht immer leicht

 

(Diese „Geschichte“ widme ich vor allem meiner Mutter, die leider am Meeting nicht dabei sein konnte.)

 

Es war ein Sonntag. Mein Vater, Ben und ich standen früh auf und fuhren um 6.30 Richtung Birmensdorf. Da würde heute unser Agilitymeeting stattfinden, das vielleicht der Aufstieg bedeuten könnte. Irgendwie spürte ich schon Tage zuvor, dass dies heute nun unser Tag werden könnte. Trotzdem war ich sehr aufgeregt und hätte zu diesem Zeitpunkt lieber 10 Matheprüfungen geschrieben, statt an dieses Meeting zu gehen. Denn entweder ich brachte einen Null-Fehler-Lauf, oder ich konnte noch länger im eins bleiben und das hatte ich nun wirklich satt. Ich wollte nun endlich ins zwei aufsteigen. Warum, das wusste ich nicht, wahrscheinlich war es der Ehrgeiz, der bei mir manchmal überhandnimmt. Wir bezogen die Startnummer und bald darauf war auch schon das Briefing. Es war eisig kalt und jeder der tatenlos in der Halle rumstand, zitterte wie Espenlaub. Das Briefing war im Open etwas kürzer als sonst. Als ich den Parcours ablief, wurde mir klar, dass dieser nun einiges schwerer sein würde, als der letzte Parcours von Richter P.F. Ich dachte wenn der eine Richter einmal einen einfachen Parcours stellen würde, sei es immer so. Da hatte ich mich aber wohl getäuscht. Ich hatte mir den Parcours noch nicht mal richtig eingeprägt, da hiess es schon, wir müssten ihn nun verlassen. Ich wurde zittrig und schaute bei jedem einzelnen Lauf nochmal ganz genau zu, so dass ich den Parcours nachher konnte. Als drittletztes waren wir dran. Ich setzte Ben an den Start und wartete bis der Richter pfiff. Danach liess ich Ben von der Leine und machte unser Startritual. „Auf die Plätze fertig los!“ und los ging es. Ben und ich kriegten einen schönen Nuller hin und auf der Anzeigetafel erschien der Platz 1! Auch die anderen nach mir wurden entweder eliminiert, hatten einen Fehler, oder waren langsamer. So hatten wir uns den 1. Platz im Open gesichert.

 

Danach folgte eine Wartezeit von zirka einer Stunde. Ich wollte kurz mit Ben spazieren gehen, kehrte aber schon bald um, weil es uns beiden viel zu kalt war.

 

Das Briefing für den Agilitylauf folgte. Wir hatten nun mehr Zeit für das Briefing und ich konnte die einzelnen Sequenzen genau durchgehen. Die Stelle mit dem Tunnel, dem Steg und der Wand war allerdings sehr heikel. Der Hund kam aus dem Tunnel und sah gleich die Wand. Er durfte aber weder auf den Steg nebenan, noch auf die naheliegende Wand, sondern musste auf die Wippe dazwischen. Ich bekam ein wenig Angst, denn ich kannte Bens Schwächen und das waren genau diese! Ben liebte den Steg und die Wand viel mehr als die Wippe. Ich konnte also nur hoffen. Ich sah, wie alle Teams vor dieser Sequenz zitterten. Sonst erkannte ich da noch keine Schwierigkeiten, ausser dass ich die Zonen sehr genau anzeigen musste.

 

Erstaunlicherweise wurden viel weniger Teams eliminiert als im Open, nur etwa zwei Leute wurden eliminiert. „Du lässt mich doch nicht im Stich, oder?“ fragte ich Ben grinsend. Ben wedelte mit dem Schwanz, er hatte es also nicht vor. Ich startete also mit butterweichen Knien, jetzt würde es nämlich zählen. „Wir schaffen das!“ meinte ich zu Ben. Der Richter pfiff und ich löste Bens Leine. „Auf die Plätze fertig loos!“ rief ich und wir rannten los. Die heikle Sequenz kam schon bald, bis dahin waren wir fehlerfrei. Ich schickte Ben ins Tunnel und ging schon Richtung Wippe. Als Ben aus dem Tunnel kam rief ich wie wild nach ihm, so dass er gar nicht auf die Idee kam auf die Wand oder den Steg zu rennen. Phu, es klappte alles, wie nach Plan! Ich war erleichtert und dachte der Rest würde ein Kinderspiel werden. Leider hatte ich mich zu früh gefreut. Denn die Mauer stand verdächtig nahe am Tunneleingang, wo Ben reinsollte. Ich rief „vor… Tunnel“ wobei Ben nur auf das „vor“ hörte und meinte er müsse nun die Mauer nehmen. Ben hob zum Sprung an, er stand schon auf den Hinterbeinen. Das bedeutet ein Eliminée… dachte ich. Trotzdem schrie ich was das Zeug hielt: „Ben nein! Hier! Nein! Tunnel!“ Im Publikum herrschte eine Totenstille. Alle warteten darauf, dass Ben über die Mauer sprang und der Richter das EL anzeigte. Doch Ben hörte auf sein hysterisches Frauchen, begriff zwar nicht ganz warum er nun nicht über diese witzig farbige Mauer dürfe, machte aber kehrt und sauste ins Tunnel. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob wir nicht doch einen Fehler hatten, zum Beispiel eine Verweigerung. Ganz enttäuscht leinte ich Ben an und lobte ihn. Er hatte es trotzdem gut gemacht, er war sehr brav, dass er auf mich hörte und nicht über die Mauer sprang. „Wir haben einen Fehler oder?“ fragte ich meinen Vater enttäuscht, der uns zugeschaut hatte. „Nein, ihr seid auf dem ersten Platz!“ verkündete dieser. Ich strahlte, es war also doch kein Fehler! Ich tänzelte um Ben herum und freute mich wie ein kleines Kind. Der Aufstieg ins small 2 war also gelungen. Ich hatte meinen letzten Null-Fehler-Lauf geschafft. Ben kam mir vor als würde er strahlen. Er freute sich genau so sehr wie ich, wobei ich nicht denke, dass es wegen dem Aufstieg ist, sondern eher, weil sich Frauchen so sehr über ihn freute und stolz auf ihn war. Nun schauten wir noch den restlichen Teams zu. Bis zum letzten Teilnehmer standen wir immer noch auf dem 1. Platz. Doch leider war der letzte Teilnehmer genauso fehlerfrei wie wir, aber schneller, da wir sehr viel Zeit durch den Zwischenfall an der Mauer verloren hatten. So verschoben wir uns halt auf den 2. Platz, doch das war mir egal, ich kam so oder so ins zwei. Ich gab Ben ein Küsschen und gab ihm eine extra Portion Würstchen.

 

Das Jumping war wieder sehr einfach. Hier kamen auch fast alle durch. Ein paar hatten Fehler und ein paar waren fehlerfrei. Ben und ich rannten einfach mal kopflos durch die Gegend, wobei ich bei einer Sequenz noch fast das Tunnel vergass. Tja, da war halt wieder ein bisschen Zeit weg, doch das Jumping war uns auch nicht mehr sehr wichtig, wir hatten nämlich das geschafft, was wir auch wollten. Zu allem Erstaunen reichte es trotzdem noch für den 3. Platz.

 

So hatten wir diesen Sonntag drei Podeste geschafft von 10 Teilnehmern. Ich war sehr stolz auf uns.

 

Für andere mag dies etwas Kleines sein, doch für uns ist das etwas Grosses. Man muss auch bedenken, dass wir erst das sechste Meeting hinter uns haben.

 

(Wer Rechtschreibefehler findet, darf sie behalten ;-) )

 

 

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